Das Berichten von unserem Ausflug auf Burgdorf fällt mir besonders schwer, da die erlebten Eindrücke schwierig zu kombinieren sind. Genau in dieser Komplexität liegt aber auch das Spezielle daran.

Am besten fangen wir mit KÄSE an, da dies ja immer im Zentrum steht von unserem Interesse. Im Zuge eines Besuchs im Hauptsitz unseres wöchentlichen Lieferanten Baumann AG trafen wir uns mit „Res“, welcher uns einen aussergewöhnlichen Käsekeller in Burgdorf vorstellte. Neben klassischen Hartkäsesorten und natürlich vielen Emmentaler Laiben reifen im Keller des ehemaligen Käsevertriebs Roth in Burgdorf noch weitere Käsesorten. So zum Beispiel der „Zigerklee“, ein mit Zigerklee beigefügter Halbhartkäse, welchen wir schon lange gesucht haben und beim Nachhauseweg auch einen Laib mitnehmen konnten. Durch die Schabziger Stöckli, übrigens das älteste Markenprodukt der Schweiz, ist dieses Kraut berühmt und allseits bekannt. Im erwähnten Halbhartkäse ist die Würze angenehm eingebettet in die cremige Konsistenz und er hebt sich damit stark ab von gängigen 0815-Gewürzbeigaben in Käse. Die sanfte Pflege des Käses schmeckt man deutlich heraus und wir sind gespannt, wie er bei unserer Kundschaft ankommt.
Geschichtlich sehr interessant sind die Baugegebenheiten von diesem Keller, so haben wir auch einiges über praktische Bauweisen aus einer früheren Zeit erfahren. Diesbezüglich spreche ich zum Beispiel die Lüftungsluken an, welche bewusst eingebaut wurden um die Luftzirkulation gewährleisten zu können – es gab halt nicht immer schon Klimaanlagen… Fast noch wichtiger aber ist die Lage des Kellers zu erwähnen; so wurde der Keller explizit an diesem Ort gebaut aufgrund des GRUNDWASSERPEGELS. Es konnte somit eine natürliche Feuchtigkeit erzeugt werden, welche elementar ist in einem Käse-Reifungskeller.
Mit spürbar grossem Enthusiasmus erzählt Beat von dem „K3“ Vertrieb (Käse, Kultur, Küblete). Mit Küblete ist die HOLZ-Schreinerei erwähnt, welche grosse Emmentaler Järbe graviert und auch noch praktische Haushaltsprodukte für die Käseaufbewahrung handwerklich herstellt. Speziell erwähne ich damit den „FROMIDOR“, einen sogenannten Käse-Humidor. Mit einem integrierten Aktivkohlenfilter soll damit der Käse ohne Kühlung im Haushalt aufbewahrt werden können. So kann der Käse zu jeder Zeit in optimaler Temperatur und damit grösstmöglichem Genussfaktor gegessen werden können.

Mit dem Zweig „Kultur“ ist im Projektnamen „K3“ die Gebäudegeschichte gemeint. Das Haus war nach der Schliessung des Roth-Käsehandels vor allem im Musikkulturellen Bereich genutzt worden. Im oberen Bereich des Dachstockes probten einige Bands und es fanden/ finden viele Events statt.
- Und genau dies hatte bei Beat eine neue Idee entfacht…
Als TIERARZT hat er eine sehr grosse Nähe zum Tier und kennt die meisten Tiere aus der Region. Damit natürlich auch viele Leute, welche mit den Tieren zusammen leben und arbeiten. Durch diese Kontakte wurde er auch auf das damals ehemalige Käselager aufmerksam. Die musikalische Beschallung, seine Liebe zum Naturprodukt Käse und den optimal gebauten Reifekeller kam er auf die (durchgeknallte) Idee die Käse während der Reifung mit Musik zu beschallen!

Was als Witz klingt, hat Beat voll durchgezogen. Für jeden Käselaib hat er eine eigene Box anfertigen lassen vom Hausinternen Schreiner, welchen er liebevoll „Künstler“ nennt. Er beschallt die einzelnen Käselaibe mit unterschiedlichen Musikrichtungen: Klassik, Hip Hop, Jodel, Techno, Jazz, monotonen Sinustönen und so weiter.
Nach ersten Probemonaten hat er die Käsesorten von Lebensmitteltechnologen der ETH und von ausgewiesenen Sensorikern prüfen lassen. Und siehe da: es wurden tatsächlich Unterschiede festgestellt! So waren der TECHNOKÄSE und der Hiphopkäse die kräftigsten. Dies übrigens mit Käsesorten aus der gleichen Milch, dem gleichen Produktionstag und dem gleichen Käsekessi und in mehreren Blinddegustationen kamen die verschiedenen Fachleute zum gleichen Schluss! Beat erklärt dies in reinem Emmentalerdialekt „bi däre wilde Musik treiet die Molekül u Bakterie komplett düre! Bi Mozart schlafets denn lieber es bizeli“.
Naja, grosse Unterschiede stelle ich dennoch in Frage. Trotzdem ist dieses Projekt in meinen Augen kein Marketinggag von irgendwelchen studierten Sesselfurzern, sondern eine innovative Idee von sympathisch durchgeknallten Käseliebhabern.

Wir freuen uns, aus den kommenden Produktionschargen der Musikkäse den einen oder anderen Laib bei uns an der Colmarerstrasse anbieten zu können und sind schon jetzt gespannt, was Sie als unsere Kunden für Geschmacksnoten dem „Technokäse“ abgeben werden. Im weiteren hat uns Beat angeboten, einmal ein solches „Käsereifungsmuskikkistlein“ auszuleihen, um unseren „Balser Märtkääs“ mit Fasnachtsmusik zu beschallen – vielleicht müssen wir Basler Fasnächtler dann etwas weniger üben damit unsere Trommelwirbel trotzdem sitzen. Dies zu testen ist ein angenehmes Projekt, welches beim Käsegenuss die mühseligen Übungsstunden etwas angenehmer gestalten würde…
Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal für eine ganz aussergewöhnliche Käsereiführung, die dankbaren Geschenke von Beat, die gute Käse-Verkostung, der interessante Käseaustausch und im Anschluss das angenehme Zusammenkommen zum Mittagessen mit der Baumann-Delegation.
DANKE!




















So schlug vor 7 Jahren Alex Wirth die Brücke zwischen der Innovativen Brauerei Unser Bier und der Käserei Reckenkien, um ein sympathisches und gutes regionales Produkt zu entwickeln. Überhaupt besteht eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Käseladen Wirth und der Käserei Reckenkien, so kreierte Alex auch die eine oder andere Etikette und die Käser sind angewiesen auf die guten Verkaufszahlen in der Stadt Basel, in welcher wir exklusiv ihre Spezialitätenkäse verkaufen.















Schön wie sie hüpfen und sichtlich lebensfroh sind. Die älteren Geissen („bündner Strahlenziegen“) wurden am Morgen frisch gemolken und geniessen im Stall die klassische Musik, welche Erhard laufen lässt. Die Musik beruhige ihn und die Tiere sagt er und empfängt mich mit einem freundlichen „guete Morge“.
Es macht mir aber gar nichts, im Gegenteil: man fühlt sich sehr heimelig. Mit 50 Litern Ziegenmilch aus 2 Melcheinheiten (Abends und Morgens) käst Erhard 2 Ziegenkäse, womit die Ausbeute wie bei Kuhmilchkäse bei etwa 10% ist. Ich bin überwältigt von Eindrücken – die alten Werkzeuge von
Erhard die er besitzt: ein Museum! Auch für die Käseherstellung hat er noch einige Relikte, die er aber aus auflagetechnischen Gründen nicht mehr nutzen darf. So zum Beispiel der Käsebrecher, auf dem Foto sehen Sie den Unterschied zwischen alt und neu. „Den alten habe ich noch selber gemacht aus einem Ast“, sagt Erhard und fügt an „mit dem ging es viel besser“!
Ziegenfrischkäse, welche sie im Dorf durch „Fällele“ von Tür zu Tür verkauft. Die Abläufe beim Käsen sind überall ähnlich, nur Nuancen unterscheiden die Käser. Aber eben diese machen die verschiedenen Käse aus. So pflegt Erhard die Käse im (kleinen und noch niedrigeren…) Käsekeller mit suurem Moscht. Spannend ist übrigens der Absatz, bzw. die unterschiedlichen Geschmäcker. Auf dem Land verkauft er hauptsächlich seine Ziegenkäse im Alter von 3-4 Monaten. Bei uns in der Stadt laufen diese allerdings sehr schlecht, dafür die alten Käse bis zu einem Jahr umso besser – welche auf dem Land gar nicht laufen und eigentlich nur auf dem z’Morge, z’Mittag und z‘Nacht Tisch von Lise Marie und Erhard landen. Die Leidenschaft von Lise Marie und Erhard wiederspiegelt sich eigentlich in allen Abläufen vom Käsen, auch sonst haben sie eine tolle Beziehung zu Lebensmitteln. Auf dem Tisch ist selbstgebackenes Brot, selbst gemolkene Ziegenmilch („am liebsten mit einem kleinen Schuss Holunderblütensirup“ sind sich die 2 einig), eigenem Käse, Würste vom Gitzi aus ihrem Hof welches sie metzgen liessen, Bärlauch Aufstrich ebenfalls selbstgemacht und so weiter. Wie Sie dem Text entnehmen können sind wird schon am Mittagessen… Erhard erzählt mir spannende Geschichten in Zusammenhang mit der Milch. Wie heikel die Ziegen beim Melken sind und dass sie nur ihn heran lassen was viele Besucher nicht verstehen wollen bis sie „eins gwäsche“ kriegen von den Ziegen. Auch dass die Milch während dem Käsen zu behandeln sei „wie Eier“ sagt er mir, was ich mit einem Spruch zu entgegnen versuche „oder ein Bier einschenken ohne Schaum“… Mit hochgezogenen Augenbrauen schaut er mich an und sagt klar: „Nein, wie Eier“. Die grösseren Fettkügelchen in der Ziegenmilch sind sehr empfindlich und sorgfältiger zu behandeln als bei Kuhmilch. Vor allem beim Bruch und beim Erhitzen, was auf dem offenen Holzfeuer wie auf dem Hof Hinterbalm sicher schwieriger ist als in modernen Käsereien. „Aber genau das macht doch unser Handwerk interessant und speziell, zudem schmeckt man die Holznote eindeutig in unserem Käse“. Er erzählt mir noch vom Besuch des Schweizer Fernsehens vor einigen Jahren und von seinem Unverständnis wenn die Leute behaupten, ein Käse würde „bökchele“. „Oder wie sagen sie schon wieder in Basel? Bèggele?“ fragt er mich mit einem Grinsen. Die Leute seien dann jeweils sprachlos wenn er sie vor die Gegenfrage stellt „hän si schomol gseh wie eine e Geissebogg mälcht?“. Nach dem Sammeln von noch weiteren Eindrücken wie z.B. die Regenwassergewinnung aus einem selbstgebauten, 7m tiefen Brunnen, den schönen Schnitzereien überall an den Wänden oder der exquisiten Futterwahl der Geissen (nur das Beste ist ihnen gut genug) mache ich mich, natürlich mit einigen Spezialitäten vom Hof Hinterbalm, wieder auf den Weg nach Basel. Lächelnd und von der Sonne geblendet haben mir die 2 noch gewunken und die jungen Geissli sind wieder herumgehüpft. Bis zum nächstes Mal!
Die Geschichte vom Epoisses, welcher nach dem Dorf benannt ist geht aber bis ins 16. Jahrhundert zurück. So erklärt sich die Tatsache, dass heute 3 verschiedene Firmen den Käse produzieren. Die Fromagerie Berthaut besitzt mit 47% jedoch den grössten Marktanteil, was den eindrücklichen Betriebskomplex erklärt. 62 Angestellte sind notwendig um die grosse Produktion – täglich 21‘000 Liter Milch (1Tanklastwagen) und somit 10‘000 Epoisses Laibe – aufrecht zu erhalten.
So – endlich geht es los! Wir Kleiden uns vorschriftsgemäss ein um in die Produktionshallen geführt zu werden. Vor jeder Halle, welche liebevoll „Atelier“ genannt werden, müssen wir die Schuhe und die Hände gründlich desinfizieren. Nach jedem Arbeitsgang wird zudem auch die jeweilige Halle gründlich geputzt, gereinigt und hygienisiert.
So bekamen wir auch einen Augenschein in die berühmte „Affinage“. Der Käse wird in 35 Tagen 9 mal gewaschen, 5 mal mit Salzwasser, 2 Mal mit 10% Marc de Bourgogne im Salzwasser und die letzten zwei Arbeitsgänge mit 100% Marc de Bourgogne. Eine Arbeitsgruppe von etwa 10 Personen macht Tag ein Tag aus nichts anderes als in einem enormen Tempo und einem bewundernswerten Geschick zur „Affinage à main“ die Epoisses-Käse von Hand zu waschen. Obwohl der erwähnte „Charme“ etwas verloren ging mit den Jahren und bei der Produktion viele Maschinen am Werk sind kommt bei der entscheidenden Phase das nötige handwerkliche Geschick zum Tragen. Dieser wichtige Arbeitsschritt wird von 3 Käsemeistern geleitet, welche alle seit mehreren Jahrzehnten im Betrieb sind und noch vom alten Patron eingestellt wurden. Auch dort ist der Stolz spürbar…
Und genau dies geschah dann auch. Nicht nur der passende Strassenname (rue de laitière), sondern auch der Empfang von Monsieur Schertenlaib, seiner Frau und dem Sohn war sehr sympathisch. Der Sohn, welcher die Käseproduktion mittlerweile leitet, führte uns durch die Produktionshalle und erklärte uns die genauen Abläufe. Auch hier war der Stolz seh- & spürbar. Auch dass sein Bruder mitarbeitet, er führt die Milch von nur 3 Bauernhöfen (!) welche für die gesamte Langres-Produktion notwendig sind, erfüllt ihn mit Stolz. Somit die berühmten Langres-Kistli warten auf Ihren Inhalt sind 4 von 9 Mitarbeitenden aus der Familie Schertenlaib selber. Täglich wird mit 3‘000 Milch gekäst, was ungefähr 250 Laib Langres ergibt.
Die Langres Käse lagern etwas weniger lang als Epoisses, die kleinen etwa 18 Tage und die grossen etwa 23 Tage. In dieser Zeit werden sie 4 Mal mit Marc de Champagne gewaschen. Langres -& Epoisses Käse haben übrigens nicht nur einen ähnlich starken Goût, sondern existieren beide seit dem 16. Jahrhundert. Der Langres hat allerdings eine festere Konsistenz und eine unverkennbare Form. Ich spreche die Mulde an in der Mitte welche dadurch entsteht, dass der Käse bei seiner Reifung nicht gewendet wird. Es gibt einige Märchen über diese Mulde, so zum Beispiel dass sie ursprünglich gemacht wurde um die Stadtmauern von Langres zu interpretieren. Die Familie Schertenlaib kennt diese Geschichten zwar, bestätigt sie aber nicht und lässt sie im Raum stehen. „Die Geschichten sollen bestehen bleiben und jeder seine eigene kreieren und damit in Verbindung setzen. Käse soll auch Raum haben um in seiner Geschichte zu schwelgen und jeder seine ganz persönliche Beziehung dazu haben.“ Was für ein schönes Schlusswort vom Patron der Käserei.